Anders als du glaubst…

plakatmotivNicht zuletzt durch den Zuzug von Flüchtlingen aus den Kriegs- und Krisengebieten kommen in Potsdam wie in vielen anderen Städten Menschen unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlichen Glaubens zusammen. Protestanten, Katholiken, orthodoxe Christen, Juden, sunnitische und schiitische Muslime, Bahá’í, Buddhisten, Hindus, Jesiden und viele Atheisten treffen hier aufeinander. Was sind die ethischen Regeln und Freiheiten all dieser Menschen? An welchen Werten orientieren sie sich – und woran nicht? Was wissen wir über die jeweils anderen und wie können wir ihnen aller Unterschiede zum Trotz mit Toleranz begegnen?

Diesen Fragen geht das Begleitprogramm zur Ausstellung „Weltreligionen – Weltfrieden – Weltethos“ nach. Unter dem Titel „Anders als Du glaubst …“ gibt es sechs Wochen lang an vielen Orten in der ganzen Stadt Vorträge und Diskussionen, Theater- und Kinovorführungen, Gottesdienste und Predigten sowie Lesungen und Konzerte für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Insgesamt laden über 75 Veranstaltungen, organisiert von 25 Kirchen und Glaubensgemeinschaften, Bildungsträgern, Kultureinrichtungen, Sozialverbänden und weitere Organisationen, zum Besuch ein. Die Koordination hat der Verein Neues Potsdamer Toleranzedikt e.V. übernommen. „Anders als du glaubst …“ steht unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident a.D. Dr. Manfred Stolpe und Jann Jakobs, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Potsdam.

 

Dr. Manfred Stolpe, Ministerpräsident a.D.

Potrait Ministerpräsident a.D. Manfred Stolpe
Dr. Manfred Stolpe, Ministerpräsident a.D.

Sehr geehrte Damen und Herren,
die Religion ist wie eine Muttersprache. Wir wachsen mit ihr auf und deuten durch sie die Welt. Sie verbindet uns mit Menschen, aber sie unterscheidet uns auch von denen, die in anderen Teilen der Welt leben. Umso wichtiger ist es für uns, fremde Sprachen, Kulturen und auch Religionen kennen zu lernen. Denn nur wer die Ausdrucksformen des anderen versteht, kann mit ihm auch kommunizieren.

Leider ist die Geschichte der Religionen nicht nur getragen von jenem friedlichen Wettbewerb, den uns Gotthold Ephraim Lessing in seinem Drama „Nathan der Weise“ empfiehlt. Gerade jetzt erleben wir wieder Unverständnis, gegenseitige Verketzerung und leider auch eine Blutspur. Wir erleben tagtäglich, wie religiöser Fanatismus politische, ethnische, wirtschaftliche und soziale Konflikte auslösen und verstärken kann.

Aber Religion kann eben auch ihre versöhnende Kraft entfalten. Dazu muss ihr humanes Potenzial neu entdeckt und aktiviert werden. Wenn es den Religionen gelingt, untereinander den Geist von Wahrhaftigkeit und Partnerschaft, von Gewaltlosigkeit und Ehrfurcht vor dem Leben zu entfalten, können sie auch Nicht-Glaubende überzeugen. Die Potsdamer Initiative „Anders als du glaubst …“ kann dazu einen wichtigen Anstoß und Beitrag leisten. Ich wünsche den Initiatoren, dass sie möglichst viele Menschen miteinander ins Gespräch bringen.

Dr. Manfred Stolpe

 

Jann Jakobs, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Potsdam

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Jann Jakobs, Oberbürgermeister

Sehr geehrte Damen und Herren,
der Name unserer Stadt ist untrennbar mit einem gewichtigen Wort verbunden: Toleranz. Dem berühmten „Edikt von Potsdam“, erlassen 1685 vom brandenburgischen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg, fühlen wir uns gerade in den heutigen unruhigen Zeiten umso mehr verpflichtet. Potsdam verdankt seinen kulturellen und wirtschaftlichen Reichtum all jenen Menschen, die im Laufe der Jahrhunderte als Immigranten zu uns kamen und hier eine neue Heimat fanden. Sie brachten ihre Religionen mit, ihre Kulturen und Sprachen. All das war und ist ungeheurer Schatz gewesen für unsere Entwicklung.

Wenn Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten fliehen und bei uns Schutz vor Verfolgung suchen, dann heißen wir sie in Potsdam auch heute willkommen. Wir begegnen ihnen mit Respekt, Akzeptanz, Anerkennung und Solidarität. Diese Menschen sprechen anders, sie beten anders, sie sehen anders aus und manchmal verhalten sie sich auch so anders, dass wir sie nicht verstehen. Das ist kein einfacher Prozess. Doch wir müssen uns damit auf zivile Weise auseinandersetzen. Wir müssen zuhören können und aufeinander zugehen. Nur so werden wir die Unterschiede als Bereicherung erfahren. Das galt vor 300 Jahren – und es gilt heute noch immer.

Die Ausstellung „Weltreligionen – Weltfrieden – Weltethos“ und das umfangreiche Begleitprogramm können dazu beitragen, Neugier und Interesse zu wecken an den vielen Kulturen und Religionen in unserer Stadt. Und sie trägt dazu bei, mehr Gelassenheit im Umgang zu entwickeln.

Jann Jakobs